Politik in der Provinz: So ist die Arbeit im FORUM Laupen

Das FORUM Laupen wird 50-jährig. Schon bei der Gründung war das FORUM nicht die einzige Möglichkeit, um in Laupen Politik zu machen; heute ist das nicht anders. Trotzdem bleibt die Lokalpartei eine gute Wahl. Unsere Serie zum Jubiläum.

„Das Salz in der Suppe“ stand auf dem Flugblatt, das in der Begrüssungsmappe steckte. Das war 2015 im Herbst, als wir gerade in Laupen eingezogen sind. Was da in der Mappe steckte, war der Wahlprospekt vom FORUM Laupen. Geworben wurde für die freie Meinungsbildung, die vom FORUM gelebt werde; „ohne den Geschmack zu verändern“. Absurd fand ich den Gedanken – und fast schon komisch die Gestaltung. Eine halbtransparente Hand streute Salz über die Gemeinde Laupen. Echt jetzt? Salz über eine Gemeinde verstreuen und damit Wahlkampf machen? Das musste ein schlechter Witz sein, dachte ich mir. Damals wusste ich noch nicht, dass das FORUM Laupen meine politische Heimat werden würde.

FORUM: Politik, aber ohne Verlust an Glaubwürdigkeit

Die Geschichte, weshalb ich beim FORUM Laupen dabei bin – und nicht bei der SP, bei der SVP oder der BDP ist schnell erzählt: ich bin Journalist und schreibe auch über Agrarpolitik. Ich kann zwar als Mitglied einer nationalen Partei (Ich war bei der GLP) den Anspruch haben, neutral und objektiv zu informieren. Die Leserschaft kauft mir das aber nur bedingt ab; gerade dann, wenn es heikle oder umstrittene Themen sind, schwächt die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei die Glaubwürdigkeit meiner Arbeit und damit auch das Renommee der Zeitung. Ich stand also vor der Wahl: gar nicht politisch aktiv sein wollen – oder einer Partei beitreten, die sich lokalen Themen zuwendet. Beim FORUM Laupen ist letzteres möglich – schnell vergessen war da die „Salz-in-der-Suppe“-Idee.

Schnell vergessen hat das auch der Vorstand. Bei den Gemeinderatswahlen vier Jahre später hatte niemand mehr den Anspruch, die Kochkünste des Gemeinderats zu korrigieren. Ob das daran liegt, dass die servierten Menues perfekt oder doch eher ungeniessbar sind, weiss nur die Wahlkommission. Das Thema der letzten Wahlen war dann auch die Nähe zu Laupen. Die Nähe zum Stedtli und seinen Menschen. Und irgendwie landete die Anfrage, ob ich mich nicht auch für die Wahlen aufstellen liesse, auf meinem Tisch. Irgendwie interessant, dachte ich. Aber nein, zu viel Arbeit, zu viel andere Projekte. Und sowieso. Muss das jetzt sein? Ich habe mir Bedenkzeit ausbedungen und gewartet. Die Frist habe ich verstreichen lassen und im allerletzten Moment dann doch noch zugesagt. Seither bin ich froh, dass die Berner nicht zu den schnellsten gehören; da komme selbst ich als langsamer Bündner noch mit – und sorge unfreiwillig gleich noch für eine gute Pointe.

FORUM Laupen: Nahe bei den Bürgern und offen für alle

Doch zurück zur Lokalpolitik: diese ist in Laupen durch zwei Merkmale gekennzeichnet: Erstens die Nähe zu den Bürgern und zweitens durch ihre Aufnahmefreundlichkeit. Alle wesentlichen politischen Kräfte nehmen für sich in Anspruch, nahe bei den Bürgern zu sein. Daraus folgen eher geringe Differenzen in den Sachgeschäften – selbst ideologisch sind die Unterschiede nur in den Grundsätzen sichtbar. Das FORUM nimmt für sich in Anspruch, noch näher dran zu sein an den relevanten Themen und an den drängenden Fragen des Alltags. Ohne ideologischen Kompass verliert sich die Diskussion manchmal irgendwo – aber sie ist immer unterhaltsam. Und dadurch auch insofern spannend, als dass man neue Ideen gewinnen kann. Von Lösungen sprechen wir da noch nicht – weil es sie nicht gibt. Oder weil wir sie manchmal einfach nicht sehen. Oder weil sie eh schon klar sind und die Diskussion einzig der Profilierung dient. Für mich als Mitglied ist das super – wie es der Präsidentin dabei geht, das weiss ich nicht. Ich muss sie bei Gelegenheit mal fragen, wie sie sich als Chefin eines Flohzirkus mit kommunaler Wirkung fühlt.

Das FORUM macht das Leben in Laupen einfach(er)

Das FORUM Laupen hat aber noch einen anderen Vorteil: es integriert Menschen von unterschiedlicher Herkunft. Da sind Mitglieder der Burgergemeinde ebenso vertreten, wie Zugezogene aus Graubünden. Die jungen und die alten verstehen sich prächtig und es macht das Ankommen in der Gemeinde um einiges einfacher. Wer sich meldet, muss dann aber auch damit rechnen, aufgeboten (oder mindestens angefragt) zu werden. Ich weiss zwar nicht mehr genau, was ich dem damaligen Präsidenten antwortete – aber offenbar dachten alle, dass ich noch etwas stärker involviert werden könnte. In der Provinz, so lerne ich, ist es einfacher, ein bisschen vorwärts zu kommen. Da wird nicht lange gefackelt – und man findet sich unverhofft in Arbeitsgruppen wieder, die die Ideen des Gemeinderats zur Behörden- und Verwaltungsreorganisation beurteilen soll. Mit Apèro hat das nichts zu tun; das ist dann halt Arbeit. Trockene, etwas trostlose aber wichtige Arbeit, die eben auch zur Politik gehört – und dafür sorgen soll, dass sich am Ende die beste Lösung durchsetzt. Dass die Behörden- und Verwaltungsreorganisation abgelehnt werden würde, wussten wir damals noch nicht. Aber ich lernte bald, dass auch in Laupen, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, klare Argumente die Kommunikation vereinfachen.

Kurz: Wer keine Lust auf Ochsentour und auf Befehle von Oben hat und trotzdem der Schweiz, dem Kanton Bern und vor allem der Gemeinde Laupen einen Dienst erweisen will, der kann bei einer der verschiedenen Parteien mitmachen. Arbeit ist genug da. Und das FORUM Laupen freut sich ganz sicher auf neue Mitglieder.

Hansjürg Jäger ist Mitglied beim FORUM Laupen und wohnt seit 2015 im Stedtli.

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